Uffg'Blues'd

EINE WUNDERKERZE FÜR DIE "PfALZRÖHRE"


Uffg'Blues'd spielen Benefiz-Konzert im TAW Frankenthal - "Pälzer Blues" und Weihnachtslieder

Am Freitagabend gaben Uffg'Blues'd ein Benefizkonzert zugunsten des Theater alte Werkstatt, das "für uns so was wie unsere Wiege ist, da war unser erster Auftritt" wie Sänger Conny Hauck sich erinnerte. Und, wie es sich "fer guude Pälzer Buwe" gehörte lässt man sich ab und an da blicken, wo einst die Wiege stand, und bringt ein paar Geschenke mit.
Nicht nur ein restlos ausverkauftes Foyer fürs TAW, nein auch für das Publikum hatte man etwas dabei. Unter jedem Stuhl k1ebten Wunderkerzen, zuvor wurden Streichhölzer mit dem Bandlogo verteilt, um dann auf Kommando gezündet zu werden. "Erscht werds Lischt gedimmt un wonn isch jetzt saag, schtecken ehr die Kerze oa, damit des klar is", wie Hauck erklärte. Dass dies bei einem Lied geschah, welches davon handelte, dass Hauck eine Dame nach Hause begleitet haben soll und dort ein bisschen länger blieb ("Isch hab eenie uffgerisse - un des in moim Alder. Sowas muss mer feire, also Kerze oa"), mag vielleicht ein wenig unpassend erscheinen. Aber das muss der Mann selbst Wissen. Also erstrahlte das Foyer im Glanz einträchtig geschwenkter Wunderkerzen anlässlich Haucks hormonellem Erweckungserlebnis.
Solche Gags können schnell ins Peinliche abgleiten, wenn die Hauptsache, die Musik, nicht stimmt. Ist bei Uffg'Blues'd aber nicht der Fall: Da groovt's und swingt's was das Zeug hält. Mit Gitarrist Peter Stahl hat man einen Mann gewonnen, der dem Gesamtsound eine kompaktere und gleichzeitig rhythmischere Note verleiht, dazu seine auf den Punkt gebrachten Soli. Mit Philip Egermann sitzt ein junger Bursche am Schlagwerk, der immer wieder für ein paar originelle Shuffels gut ist. Der Rest ist Familiensache. Haucks Sohn Dennis zupft solide die Saiten, 0nkel Christian spielt herrlich perlende Pianoläufe. Conny Hauck selbst singt mit unverfälschter, durchdringender Pfälzer "Babbelgosch" und besitzt genau die richtige Rauheit, um eine echte "Palzröhre" abzugeben.
Das Repertoire deckt alles ab, was Blues, Boogie-Woogie so reizvoll macht, die Band klingt dabei wie aus einem Guss, Tempo und Timing stimmen. Der Großteil des Sets besteht aus Eigenmaterial, bei ein paar Nummern von Muddy Waters oder auch ZZ Top ließ man es sich nicht nehmen, ihnen durch die "Einpfälzerjung" der Texte Tiefe und Gehalt zu geben. Aus Gershwins "Summertime" machte man etwa - ein phonetisch clever angeglichenes - "Hammer Woi?", brachte die Nummer in einem verschleppten Boogie-Rhythmus und gewann damit nicht umsonst einen "Mundartlieder-Wettbewerb".
Auch ein Weihnachts Medley hatte man bereits im Gepäck. Wer eine so famose Version von "Schneeflöckchen, Weißröckchen" abliefert, der sollte dringend auf dem Frankenthaler Weihnachtsmarkt spielen - und für den kann man auch ruhig mal eine Wunderkerze anstecken. (agä)

DIE RHEINPFALZ vom 18.November 2003

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